Die Frage „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“ ist keine intellektuelle Spielerei für mich, sondern eine lebenslange Zumutung.
Seit ich denken kann, traue ich dem Offensichtlichen nicht. Vielleicht erklärt das meine Faszination für die Hirnforschung – denn sie zeigt, wie brüchig das ist, was wir Wirklichkeit nennen. Besonders beim Zeichnen wird das sichtbar: Wir sehen nicht, was ist, sondern was unser Gehirn daraus macht.

Denn weder die Unendlichkeit des Universums noch die Welt der Quantenphysik können wir uns wirklich vorstellen – unser Gehirn ist dafür nicht gebaut. Und genau darin liegt der Widerspruch: Wir sind Teil davon, stehen mitten zwischen dem unvorstellbar Grossen und dem kaum fassbaren Kleinen, ohne beides wirklich zu begreifen.
Unsere Wahrnehmung ist deshalb kein objektives Abbild, sondern ein funktionales, empfindliches Konstrukt – gerade gut genug, damit wir uns in der Welt orientieren können. Beim Zeichnen zeigt sich das ganz unmittelbar: Auf dem Papier erscheint nicht die Wirklichkeit, sondern unsere Interpretation von ihr.